Experten Talk „Agile Organisation – Pflicht oder Hype?“ leider wieder nur Online

Persönliche Würdigung von Michel Stucki

Wieder nur Online! Das ist der wohl negativste Teil meiner Würdigung. Je länger es dauert umso mehr wünsche ich mir die guten alten Zeiten mit physischen Events und Networking beim Apéro zurück!

Online Events verlieren immer mehr an Beachtung und es ist erstaunlich, dass der Experten Talk trotzdem etliche Zuhörer angelockt hat. Sind doch die letzten mir bekannten Online Events der fehlenden Teilnehmer wegen allesamt ins Wasser gefallen.

Eröffnet wird der Talk vom Moderatoren Sven Ossenberg mit der Frage: Was bedeutet Agilität? Sven bemerkt gleich, dass er wohl heute seine Moderatoren Rolle zwischendurch ein wenig verlassen wird, weil er sich als agile Coach sehr wohl fühlt im Thema.

Roger Berliat fügt in seiner gewohnt pointierten Art an, dass es nicht die IT gewesen ist, welche Agilität erfunden hat. Markus Broder liefert weitere Insights und präzisiert, dass der Ursprung in den 50er Jahren bei Toyota läge. Dies geschah im Rahmen des Toyota Prinzipes und der Schaffung der Lean Production. Scrum entstand in den 90er Jahren und machte Agilität zum IT Thema. Entscheidend und damit die Basis des heutigen Agilitätsverständnisses ist das agile Manifest. Dieses entstand im Februar 2001 in Utah während eines Treffens von 17 Personen aus dem Umfeld der Softwareentwicklung, welche sich selber „die agile Allianz“ nennen.

Koexistenz wird Aufgrund von bestehenden Systemen, Produkten usw. noch lange gefordert sein. Agil only wird also nicht so schnell zur Realität werden. Auch in betrieblichen Belangen ist Effizienz und damit eher klar strukturierte Prozesse relevant. So ist es gar nicht erstrebenswert Agilität in allen Bereichen zu leben. Viel wichtiger ist die Frage nach dem Ziel und damit nach den Treibern und ob Agilität überhaupt die zielführende Lösung ist.

Einig sind sich alle Experten, dass Methoden und Vorgehensweisen bloss Werkzeuge und vor allem in der Umsetzung bedeutend sind und nicht über echte Agilität entscheiden. Die Werte und die Denkhaltung müssen stimmen und sind die echten Treiber. Dazu passt auch das Statement von Thomas Spring. „Das Wertesystem entscheidet über agil oder nicht agil“. Zusätzlich muss Agilität von ganz oben kommen, respektive getragen werden. Sonst stösst Agilität immer wieder auf klassische Ziele, Strukturen und die Langfristplanung. Selbstorganisierende Teams können nur im richtigen Rahmen funktionieren, ergänzt Markus Broder, Agile Coach im GARDENA Digital Hub in Zürich. Ebenso gibt er zu bedenken, dass Agilität kein Selbstzweck ist, sondern in kurzen Zyklen dem Kunden Mehrwerte liefern muss.

Martin Andenmatten hat im Vorfeld mit seinem Zitat „Agilität ist kein JEKAMI – Ziele und Prozesse brauchen Verbindlichkeit“ von sich reden gemacht. Seine Aussage nimmt er natürlich nicht zurück, setzt diese aber noch in den richtigen Kontext. Der Bogen darf nicht überspannt werden, in dem Methoden blind eingesetzt werden. Trotzdem bedeutet es nicht das Moving Targets damit gerechtfertigt werden.

Sven Ossenberg beginnt die Zusammenfassung mit seiner Befürchtung, dass es bei diesem Thema den Moderatoren gar nicht braucht, welche sich zumindest teilweise bestätigt hat. Was aber auch am grossen Erfahrungsschatz sowie dem grossen Engagement der Experten liegt. Leider konnte in dieser Stunde nur das Inhaltsverzeichnis gelesen werden, fasst Sven den Inhalt der viel zu kurzen Stunde zusammen.

Ich persönlich hätte es nun als wirklich agil empfunden, wenn die Experten überraschend die Statements eines anderen Experten hätten vertreten müssen. So als Idee für künftige Veranstaltungen. Ebenso bin ich froh, dass der ursprünglich als hybrider Event geplante Experten Talk doch noch durchgeführt werden konnte, wenn auch nur Online. Nun hoffe ich aber bald den ersten physischen Experten Talk miterleben zu dürfen und von all den grossartigen Begegnungen am Apéro berichten zu können. Herzlichen Dank allen Experten und Teilnehmern für den erneut gelungenen Event.